21.04.2026

Sicherheitspolitisches Forum St. Gallen

Das Gespräch zwischen Katja Gentinetta und Prof. Christine Abbt anlässlich der Security Days 2026 des Sicherheitspolitischen Forums St. Gallen kreiste um die Rolle von Sprache, Begriffen und Deutung in einer sich verändernden geopolitischen Realität.

Was geschieht mit politischen Begriffen, wenn sich die weltpolitischen Rahmenbedingungen verschieben? Begriffe wie Freiheit, Demokratie oder Recht sind nicht statisch. Sie sind historisch gewachsen, philosophisch geprägt und werden zunehmend politisch beansprucht und umgedeutet. Die Tradition von Kant oder Mill erinnert daran, dass Freiheit und Recht immer an Bedingungen gebunden sind und nicht beliebig ausgelegt werden können.

Gleichzeitig wird Sprache selbst immer stärker Teil geopolitischer Auseinandersetzungen. Narrative, Framing und gezielte Desinformation wirken als Instrumente moderner Machtpolitik. Sie beeinflussen Wahrnehmungen, verschieben die Grenzen des Sagbaren und verändern, wie Gesellschaften Konflikte einordnen – oft, ohne dass dies unmittelbar sichtbar wird.

Wo Begriffe unscharf werden und Fakten umstritten sind, gerät die Grundlage des demokratischen Diskurses unter Druck. Eine offene Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass Verständigung möglich bleibt – auf Basis von Vernunft, Fakten und der Bereitschaft zur argumentativen Auseinandersetzung.
Das Gespräch zeigte: Sicherheit beginnt nicht erst bei militärischen Fragen. Sie beginnt dort, wo wir um Begriffe ringen und darum, wie wir Wirklichkeit verstehen.